Notizen am Rand

Sternstunden und Resonanzen


Gedankensplitter aus meiner Textwerkstatt

 

Stille Hoffnungsträger
Es gibt sie noch, die Menschen, die unterwegs im Zug oder im Bus nicht auf ihr Smartphone starren, sondern in aller Ruhe ein Buch lesen. Mich freut das jedes Mal, egal wie das Buch heissen mag. Auf diese Menschen setze ich meine Hoffnung. Sie zeigen, dass es noch anderes gibt als das nervöse digitale Kurzfutter. Ein grosses Lob diesen Meisterinnen und Meistern der Lesekunst, die eben auch eine Lebenskunst ist. (06.10.2017)

Im Untergrund
Eine Leserin aus Düsseldorf schreibt mir, wie sie jeden Morgen in der U-Bahn mit meinem Buch Wie schnürt ein Mystiker seine Schuhe? unterwegs ist. Sie schlägt es an einer beliebigen Stelle auf, liest einen Text und beginnt so ihren Tag. Dies stimme sie zuversichtlich und dankbar. Mir gefällt die Vorstellung, dass ich in Buchform am frühen Morgen mit dieser Leserin durch die Unterwelt von Düsseldorf rattere. (06.10.2017)

Eine kleine Erfrischung
Ein Buch zu schreiben dauert lange, in meinem Falle sehr lange. Da kommt es mir gerade recht, zwischendurch auch kürzere Texte zu verfassen. Das erfrischt, durchlüftet den Geist und macht schlicht und einfach Freude. Eine kleine Auswahl habe ich für Sie in der Rubrik "Texte" zusammengestellt. (16.06.2017)

Sternstunde
Die Sternstunde ist gemäss wikipedia "eine Metapher für Entscheidungen, Taten oder Ereignisse, die schicksalshaft unsere Zukunft beeinflussen". Meine Sternstunde war von ganz anderer Art: Eine grosse dunkle Halle, in der Mitte eine kleine beleuchtete Bühne, darauf ein Tisch mit zwei Stühlen. Und im ganzen Raum eine überraschend ruhige Atmosphäre. Was ich bei meinem Auftritt in der SRF-Sendung "Sternstunde Religion" kaum bemerkt habe, war die ganze Technik ringsum. Fern-Sehen kann von nahe gesehen erstaunlich still sein. Das Video dazu finden Sie auf der Seite "Begegnungen". (07.05.2017)

Stille Begegnung
Schöne Überraschung heute in der Buchhandlung: Ich sehe eine Kundin, die mit meinem neuen Buch in der Hand zur Kasse geht. Jetzt könnte ich doch auf sie zugehen und ihr sagen, dass ich der Autor bin. Mit ihr ins Gespräch kommen. Und eine schöne Widmung auf die erste Seite schreiben. Was aber mache ich? Ich versuche augenblicklich unsichtbar zu sein und verdrücke mich leise. So sind sie eben, die Introvertierten. Mehr zu diesem Thema im Kompass-Buch auf Seite 69f.   (22.03.2017)

Resonanzen
Reaktionen von Leserinnen und Lesern auf mein neues Buch treffen ein, per Mail, in einem Brief oder im persönlichen Gespräch. Schön! Diese Rückmeldungen bedeuten mir viel. Denn: "Was ich geschrieben habe, wird mir erst richtig deutlich, wenn Leserinnen und Leser mich darauf ansprechen. Solche Rückmeldungen sind nicht bloss Echos, welche die eigene Stimme wiedergeben, sondern Resonanzen mit ihren ganz eigenen Klangfarben." (Der innere Kompass S. 145) Dem ist nur noch eines beizufügen: Vielen Dank!  (18.03.2017)

Wissenschaft und Poesie
Vieles, was mir bei der Arbeit am "Inneren Kompass" begegnet ist, konnte ich nicht ins Buch aufnehmen. Zum Beispiel die Feststellung des Mathematikers Karl Weierstrass, dass ein guter Wissenschaftler die Seele eines Poeten besitzen müsse. Oder den Satz des Physik-Nobelpreisträgers Richard Feynman: "Um ein Problem zu lösen, auf das bislang noch niemand eine Antwort gefunden hat, muss man die Tür zum Unbekannten angelehnt lassen." Oder Goethe: "Man vergass, dass Wissenschaft sich aus Poesie entwickelt habe, man bedachte nicht, dass beide sich auf höherer Stelle gar wohl wieder begegnen könnten." Tolle Sätze! Und weil sie im Buch keinen Platz mehr fanden, habe ich sie jetzt hier notiert.   (08.02.2017)

Leseglück
Anlässlich einer Lesung eine Oase für BücherfreundInnen entdeckt: Das LESEGLÜCK in Steffisburg bei Thun. Seit zwei Jahren führt die Journalistin Regula Tanner dieses "Lokal rund um das geschriebene Wort" mit viel Engagement und Herzblut. Der Name Leseglück ist hier Programm, auch Kaffee und Kuchen werden angeboten. www.das-leseglueck.ch   (29.01.2017)

An der Bushaltestelle
Das neue Buch ist da! Und bereits treffen erste Reaktionen ein. Herr M. berichtet mir, dass er noch auf dem Heimweg von der Stadt mit Lesen begonnen hat. An einer kalten, zugigen Bushaltestelle hat er im neu erworbenen Buch geblättert und das Kapitel über die Stärke der Stillen gelesen. Der innere Kompass unterwegs, bei Wind und Wetter - das passt!  (20.01.2017)

Ein Lob der Lokalpresse
Der "Anzeiger von Saanen" ist kein Weltblatt, sondern eine ganz gewöhnliche Lokalzeitung. Gerade das macht ihn sympathisch. Während die Weltpresse hinter Trump&Co herjagt, schickt der "Anzeiger von Saanen" seine Reporterin an eine ganz gewöhnliche Lesung in einem ganz gewöhnlichen Bergdorf. Das ist eben die grosse Qualität der Kleinen: Fern vom medialen Getöse verfolgen sie, was sich im Mikrokosmos eines Dorfes oder eines Tales tut. Und berichten auch über Anlässe, die keine Schlagzeilen machen. (08.12.2016)

Sternenstaub und Resonanzen
Eine Reihe von Lesungen liegt hinter mir, meist mit dem Buch "Eine Handvoll Sternenstaub". Dabei haben sich viele Begegnungen und Gespräche ergeben, und ich bin immer wieder überrascht, was dieses Buch auslösen kann. Solche Resonanzen sind für mich sehr wichtig. Und sie sind kostbar. Manchmal denke ich nach einem Gespräch: Exakt für diesen Menschen musste dieses Buch schreiben. (20.11.2016)

Mass der Vollkommenheit
Manchmal bestimmt die Form den Inhalt: Weil Bücher in 16er-Bögen gedruckt werden, muss die Seitenzahl durch 16 teilbar sein. Mein neues Buch "Der innere Kompass", das Ende Januar erscheinen wird, umfasst nach einigem Hin und Her jetzt exakt 192 Seiten. In der Zahlensymbolik gilt die Sechzehn als Mass der Vollkommenheit. Alles bestens also. Wären da nicht noch die Hurenkinder... (26.10.2016)

Hurenkinder
Wenn die Zeile eines Abschnitts am Anfang einer neuen Buchseite steht, stört das den Lesefluss und beeinträchtigt die Ästhetik. Unter Druckern ist das verpönt. Sie nennen eine solche Zeile "Hurenkind", weil sie verwaist oben auf der Seite steht, ihre Herkunft und damit den Zusammenhang verloren hat. Ein No go für die Layouter. Also musste ich meinen Text anpassen, um die paar Hurenkinder, die sich in die Druckabzüge eingeschlichen hatten, wieder zu vertreiben. (26.10.2016)

Fliegenkopf, Leiche und Hochzeit
Es gibt im Druck nicht nur die ungeliebten Hurenkinder, wie mich mein Lektor aufgeklärt hat: Es gibt auch den "Schusterjungen" (eine am Seitenende stehende Zeile eines neuen Absatzes, der auf der Folgeseite weitergeführt wird), den "Fliegenkopf" (ein auf dem Kopf stehender Buchstabe), eine "Leiche" (ein ausgelassenes Wort), und sogar eine "Hochzeit" (ein doppelt gesetztes Wort). Letzteres will mir allerdings nicht recht in den Kopf: Gehören zu einer Hochzeit nicht zwei verschiedene Menschen? Ich bin jedenfalls nicht mit mir verheiratet - ich habe eine Bessere gefunden. (11.11.2016)

Klingender Sternenstaub
Vor drei Jahren habe ich mit dem Cellisten Bernhard Maurer ein Wort/Musikprogramm Eine Handvoll Sternenstaub erarbeitet. Ich habe es unterdessen mit vielen Musikerinnen und Musikern schon vorgetragen - für mich jedes Mal ein ganz besonderes Erlebnis. Die Musik erweitert das Wort um eine nichtsprachliche Dimension.  

Drei Verwandlungen
Mein zweites, 2007 erschienenes Buch hat zum dritten Mal ein neues Gewand erhalten. Der Originaltitel hiess "Wer hat dir den Weg gezeigt? Ein Hund!", auf dem grün leuchtenden Cover war der wedelnde Schwanz eines Hundes abgebildet. Die Taschenbuchausgabe hiess "Mystik an der Leine des Alltäglichen", mit einer Wäscheleine auf dem blauen Umschlag. Und jetzt ist eine neue, leicht gekürzte Version dieses Titels erschienen, wiederum mit einem neuen, violetten Cover und in einem kleineren Format, das in jede Jackentasche passt. Die ideale Lektüre für unterwegs. 

(K)ein Ratgeber
Das freut mich: Mein Buch "Übrigens das Leben ist schön" steht in der Jahres-Bestsellerliste 2015 von Thalia/Orell Füssli auf Platz 7. Dass es diesen Platz in der Kategorie Ratgeber erobert hat, macht mich allerdings etwas ratlos, denn dort gehört es eigentlich nicht hin. Oder doch? Es ist jedenfalls schwierig einzuordnen, und das finde ich ganz gut so. Was ich von Ratgeberliteratur halte, können Sie in der Rubrik "Texte: Wenn spirituelle Weisheiten nerven" nachlesen.

Der gute Geist der Kulturhotels
Seit Jahren organisiert Annemarie Mühlemann kulturelle Anlässe in diversen Hotels im In- und Ausland (www.kulturhotels.net). Ich hatte schon einige Male Gelegenheit, als Gast in einem Hotel aus meinen Büchern zu lesen. Für eines dieser Häuser, das Beatus am Thunersee, habe ich auch eine kleine Geschichte geschrieben. Sie finden diese in der Rubrik "Texte: Der Berg, der Dichter und das Glück".  

Literarisch-spirituelle Globalisierung
Vier Bücher habe ich bisher geschrieben, die deutsche Gesamtauflage liegt mittlerweile bei 75'000 Exemplaren. Dazu kommen Übersetzungen in fünf Sprachen: In Holland, Polen, Brasilien, Korea und China sind Lizenzausgaben erschienen. Umschlag und Titelbild sehen jeweils überraschend anders aus, und ich staune, was den Gestaltern alles einfällt. Der brasilianischen Ausgabe von "Wie schnürt ein Mystiker seine Schuhe?" liegt sogar ein blauer Schnürsenkel als Buchzeichen bei. Besonders gut gefallen mir die koreanischen und chinesischen Ausgaben: Diese sorgfältig aufgemachten Bücher mit ihren malerischen Schriftzeichen sind eigentliche Kunstwerke. Nur auf die Einladung zu einer Lesung in China oder Südkorea warte ich immer noch.

Die Kunst des Weglassens
Schreiben heisst immer auch: Weglassen. Streichen. Reduzieren, um das Wesentliche hervorzuheben. So geht es mir auch mit dem neuen Manuskript. Etliche Kapitel sind schon fertig, doch es gibt noch Bruchstellen. Beheben kann ich sie nur, indem ich das Manus umbaue und auf ein paar Kapitel verzichte. Das fällt mir zwar schwer, tut dem Buch aber gut. Spätestens dann, wenn sich in Teil in den andern fügt, weiss ich: Es war richtig so. Und zum Trost des Schreiberlings: Es hat noch nie jemand einen Text vermisst, den ich zwar geschrieben, aber nicht veröffentlicht habe... (2015)

Herbst, echt
Ursprünglich wurde ich für ein Jahr engagiert, mehr als dreizehn sind es geworden. Monat für Monat habe ich eine Kolumne für die Zeitschrift "reformiert" geschrieben. Doch jetzt ist Schluss, die Redaktion wünscht einen Wechsel. Den vielen Leserinnen und Lesern, die mir zum Abschied geschrieben haben, danke ich ganz herzlich. 
Eine überarbeitete Auswahl meiner Kolumnen liegt jetzt auch als Taschenbuch vor. "Hintergründig und heiter: ein echter Marti!" So steht es in grossen Lettern im aktuellen Herder-Verlagskatalog. Das Buch ist sehr schön aufgemacht, passend zum Titel "Übrigens, das Leben ist schön". Schauen Sie sich doch hier die beiden Seiten aus dem Katalog an.  

Zwei Sprachen
Schreiben ist eine einsame Angelegenheit. Das passt zu einem Einzelgänger wie mir. Anlässlich zweier Konzertlesungen mit dem Kirchenorchester Oberwinterthur habe ich allerdings auch gesehen respektive gehört, wie schön es ist, in einer Gemeinschaft kreativ zu sein. Was die Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von Hanna Wieser geboten haben, war ein Zusammenspiel der feinsten Art. Sehr eindrücklich, eine wahre Ohrenfreude! Als "literarischer Solist" durfte ich zwischendurch einige Texte lesen: Die Sprache der Musik und die Musik der Sprache gingen ineinander über.

Lesen mit den Ohren
Bei einer Lesung schlug ein Zuhörer vor, "Eine Handvoll Sternenstaub" auch als Hörbuch zu produzieren. Ich leitete seine Anregung dem Verlag weiter - und ein halbes Jahr später liegt die Sternenstaub-CD vor. Gelesen von Rudolf Guckelsberger, einem eigentlichen Sprechkünstler. Er trifft genau den richtigen Ton. Doch hören Sie selbst! Die Angaben zur CD sind in der Rubrik "Bücher" zu finden.

Von Chiang Rai nach Wölflinswil
Bücher reisen wie die Menschen auch. Auf der Suche nach Lesestoff hat ein Schweizer in der thailändischen Stadt Chiang Rai zufällig mein "Sternenstaub"-Buch entdeckt. Nach der Lektüre hat er es aus der Ferne per E-Mail einem guten Freund in der Schweiz ans Herz gelegt. Dieser wohnt in Wölflinswil im Aargauer Jura - und hat mich dann zu einer Lesung eingeladen, zu einer "kosmischen Weltreise im Ochsen" (s. Artikel in der Rubrik "Begegnungen"). Wie klein die grosse Welt manchmal sein kann... Übrigens: In Thailand war ich noch nie - aber Wölflinswil und der Jurapark Aargau sind eine Reise wert!

Bücher und Emotionen
Es gibt sie noch, die kleinen Dorfbuchhandlungen! Kulturelle Oasen auf dem Land oder in der Agglo, die einladen zum Schmökern, zum Verweilen, zum Gespräch - und gelegentlich auch zu einer Lesung. In bester Erinnerung ist mir da mein Auftritt in der Buchhandlung bookemotions im Berner Vorort Belp . Ein grosses Lob an Eveline Bürki und ihr Team!  

Schöner Zufall
Nach einer Lesung, beim Signieren, stellen sich H. und M. vor. Zwei muntere Frauen, die sich gut kennen. Sie erzählen mir eine wunderbare Geschichte:
→ H. hat B. zu Weihnachten mein Buch "Übrigens, das Leben ist schön" geschenkt. Genau das richtige für sie, hat sie gedacht.
← B. hat H. zu Weihnachten mein Buch "Übrigens, das Leben ist schön" geschenkt. Genau das richtige für sie, hat sie gedacht.
↔ Beide haben beim Auspacken eine schöne Überraschung erlebt.
Zu gerne wäre ich dabeigewesen!

Hang zum Klang

Schreiben ist Musik. Ich achte auf den Klang der Worte. Auf die Sprachmelodie. Und auf die Komposition. Deshalb ist die Stille beim Schreiben wichtig. Oder die richtige  Musik. Wie zum Beispiel "Hang&Xang" von Bruno Bieri. Wie gut seine Klänge und meine Texte sich ergänzen, habe ich bei zwei gemeinsamen Auftritten erlebt: Aus Wort wird Musik wird Wort wird Musik wird Wort wird Musik.

Ein Buch für Frau Steiner
Meine Bücher schreibe ich zunächst für mich. Interessanterweise haben Leserinnen und Leser ab und zu das Gefühl, ein Buch sei exakt für sie und nur für sie geschrieben worden. Mich freut das. So schreibt mir eine Frau Steiner aus Zürich zum Sternenstaub-Buch: "Ein wunderbares Buch: Sie haben es ganz allein für mich geschrieben." Ich habe ihr geantwortet: Ja, so ist es!

Ein Lob für Tinu
Höchste Zeit, ihm endlich ein Kränzchen zu winden, meinem Webmaster, Martin Baud. Er ist ein Künstler. Sein Atelier beschränkt sich auf die Ecke eines grossen Kellers, der vor allem von Handwerkern benutzt wird. Da sitzt er an einem Holztisch, raucht ab und zu eine Zigarette und entwirft die schönsten Webseiten. Ganz ohne Schnickschnack, aber mit viel Phantasie und einem guten Auge für das Wesentliche. Tinu, wie er in Bern heisst, macht auch Stadtführungen, erzählt Märchen, sammelt Witze, glaubt an Gespenster, organisiert Spielfeste, ist überhaupt ein origineller Typ und ein Lebenskünstler noch dazu. Sie finden ihn unter www.homepagefabrik.ch


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