Notizen am Rand

Geschriebenes und Ungeschriebenes


Gedankensplitter aus meiner Textwerkstatt

 

Türen auf!
Jetzt wollte ich es wissen. Nicht allgemein und unverbindlich, sondern ganz persönlich und ganz konkret: Wie hast du's eigentlich mit der Religion? Vor zwei Jahren habe ich begonnen, mir dazu erste Notizen zu machen. Vor einem Jahr sind aus den Notizen erste Textentwürfe entstanden. Und in den vergangenen Monaten habe ich fast pausenlos daran gearbeitet. Ich habe viel gelernt dabei, viel entdeckt und auch etliche Überraschungen erlebt. Das Thema hat es in sich! Eine persönliche Auseinandersetzung damit ist ein Abenteuer und ein Risiko. Aber es lohnt sich. Und wie! Jetzt liegt es vor, mein neues Buch mit dem Titel: TÜREN AUF! Spiritualität für freie Geister. Auf die Reaktionen bin ich gespannt. Näheres zu dazu erfahren Sie hier.     

Bücher sind diskret
Schnuppern in einem modernen Buchantiquariat. Berge von Büchern, das Antiquariat heisst denn auch "Bücherbergwerk". Darin einzutauchen macht Spass, die Bücher sind gut sortiert und es gibt immer wieder Entdeckungen zu machen. Auch meine beiden ersten Titel liegen gut sichtbar auf. Bei beiden ist die erste Seite herausgetrennt worden. Da stand wohl eine Widmung. Von wem? Für wen? Und aus welchem Anlass? Die Bücher verraten es nicht, nicht einmal ihrem Urheber. Ach, Bücher sind so wunderbar diskret.   

Lesen verbindet
Gelegentlich erfahre ich, dass eines meiner Bücher in einer Lesegruppe besprochen wird. Das freut mich immer besonders. Lesen und sich mit anderen über das Gelesene austauschen finde ich eine besonders anregende Form der Lektüre. Selber gehöre ich ebenfalls einer Lesegruppe an. Wir haben schon dies und das zusammen gelesen. Nur einmal habe ich mich entschieden gegen einen vorgeschlagenen Titel gewehrt. Ich hatte keine Lust, mich selber in unserer kleinen, feinen Lesegruppe zu besprechen ;-)    

Stille Hoffnungsträger
Es gibt sie noch, die Menschen, die unterwegs im Zug oder im Bus nicht auf ihr Smartphone fixiert sind, sondern in aller Ruhe ein Buch lesen. Mich freut das jedes Mal, egal wie das Buch heissen mag. Auf diese Menschen setze ich meine Hoffnung. Sie zeigen, dass es noch anderes gibt als das nervöse digitale Kurzfutter. Ein grosses Lob diesen Meisterinnen und Meistern der Lesekunst, die eben auch eine Lebenskunst ist.  

Im Untergrund
Eine Leserin aus Düsseldorf schreibt mir, wie sie jeden Morgen in der U-Bahn mit meinem Buch Wie schnürt ein Mystiker seine Schuhe? unterwegs ist. Sie schlägt es an einer beliebigen Stelle auf, liest einen Text und beginnt so ihren Tag. Dies stimme sie zuversichtlich und dankbar. Mir gefällt die Vorstellung, dass ich in Buchform am frühen Morgen mit dieser Leserin durch die Unterwelt von Düsseldorf rattere.  

Stille Begegnung
Schöne Überraschung heute in der Buchhandlung: Ich sehe eine Kundin, die mit meinem neuen Buch in der Hand zur Kasse geht. Jetzt könnte ich doch auf sie zugehen und ihr sagen, dass ich der Autor bin. Mit ihr ins Gespräch kommen. Und eine schöne Widmung auf die erste Seite schreiben. Was aber mache ich? Ich versuche augenblicklich unsichtbar zu sein und verdrücke mich leise. So sind sie eben, die Introvertierten. Mehr zu diesem Thema im Kompass-Buch auf Seite 69f. 

Resonanzen
Reaktionen von Leserinnen und Lesern auf mein neues Buch treffen ein, per Mail, in einem Brief oder im persönlichen Gespräch. Schön! Diese Rückmeldungen bedeuten mir viel. Denn: "Was ich geschrieben habe, wird mir erst richtig deutlich, wenn Leserinnen und Leser mich darauf ansprechen. Solche Rückmeldungen sind nicht bloss Echos, welche die eigene Stimme wiedergeben, sondern Resonanzen mit ihren ganz eigenen Klangfarben." (Der innere Kompass S. 145) Dem ist nur noch eines beizufügen: Vielen Dank!    

Wissenschaft und Poesie
Vieles, was mir bei der Arbeit am Inneren Kompass begegnet ist, konnte ich nicht ins Buch aufnehmen. Zum Beispiel die Feststellung des Mathematikers Karl Weierstrass, dass ein guter Wissenschaftler die Seele eines Poeten besitzen müsse. Oder den Satz des Physik-Nobelpreisträgers Richard Feynman: "Um ein Problem zu lösen, auf das bislang noch niemand eine Antwort gefunden hat, muss man die Tür zum Unbekannten angelehnt lassen." Oder Goethe: "Man vergass, dass Wissenschaft sich aus Poesie entwickelt habe, man bedachte nicht, dass beide sich auf höherer Stelle gar wohl wieder begegnen könnten." Tolle Sätze! Und weil sie im Buch keinen Platz mehr fanden, habe ich sie jetzt hier notiert.    

Leseglück
Anlässlich einer Lesung eine Oase für BücherfreundInnen entdeckt: Das LESEGLÜCK in Steffisburg bei Thun. Seit zwei Jahren führt die Journalistin Regula Tanner dieses "Lokal rund um das geschriebene Wort" mit viel Engagement und Herzblut. Der Name Leseglück ist hier Programm, auch Kaffee und Kuchen werden angeboten. www.das-leseglueck.ch    

An der Bushaltestelle
Das neue Buch ist da! Und bereits treffen erste Reaktionen ein. Herr M. berichtet mir, dass er noch auf dem Heimweg von der Stadt mit Lesen begonnen hat. An einer kalten, zugigen Bushaltestelle hat er im neu erworbenen Buch geblättert und das Kapitel über die Stärke der Stillen gelesen. Der innere Kompass unterwegs, bei Wind und Wetter - das passt!   

Mass der Vollkommenheit
Manchmal bestimmt die Form den Inhalt: Weil Bücher in 16er-Bögen gedruckt werden, muss die Seitenzahl durch 16 teilbar sein. Mein neues Buch "Der innere Kompass", das Ende Januar erscheinen wird, umfasst nach einigem Hin und Her jetzt exakt 192 Seiten. In der Zahlensymbolik gilt die Sechzehn als Mass der Vollkommenheit. Alles bestens also. Wären da nicht noch die Hurenkinder... (2016)

Hurenkinder
Wenn die Zeile eines Abschnitts am Anfang einer neuen Buchseite steht, stört das den Lesefluss und beeinträchtigt die Ästhetik. Unter Druckern ist das verpönt. Sie nennen eine solche Zeile "Hurenkind", weil sie verwaist oben auf der Seite steht, ihre Herkunft und damit den Zusammenhang verloren hat. Ein No go für die Layouter. Also musste ich meinen Text anpassen, um die paar Hurenkinder, die sich in die Druckabzüge eingeschlichen hatten, wieder zu vertreiben. (2016)

Fliegenkopf, Leiche und Hochzeit
Es gibt im Druck nicht nur die ungeliebten Hurenkinder, wie mich mein Lektor aufgeklärt hat: Es gibt auch den "Schusterjungen" (eine am Seitenende stehende Zeile eines neuen Absatzes, der auf der Folgeseite weitergeführt wird), den "Fliegenkopf" (ein auf dem Kopf stehender Buchstabe), eine "Leiche" (ein ausgelassenes Wort), und sogar eine "Hochzeit" (ein doppelt gesetztes Wort). Letzteres will mir allerdings nicht recht in den Kopf: Gehören zu einer Hochzeit nicht zwei verschiedene Menschen? Ich bin jedenfalls nicht mit mir verheiratet - ich habe eine Bessere gefunden. (2016)

Literarisch-spirituelle Globalisierung
Vier Bücher habe ich bisher geschrieben, die deutsche Gesamtauflage liegt mittlerweile bei 75'000 Exemplaren. Dazu kommen Übersetzungen in fünf Sprachen: In Holland, Polen, Brasilien, Korea und China sind Lizenzausgaben erschienen. Umschlag und Titelbild sehen jeweils überraschend anders aus, und ich staune, was den Gestaltern alles einfällt. Der brasilianischen Ausgabe von "Wie schnürt ein Mystiker seine Schuhe?" liegt sogar ein blauer Schnürsenkel als Buchzeichen bei. Besonders gut gefallen mir die koreanischen und chinesischen Ausgaben: Diese sorgfältig aufgemachten Bücher mit ihren malerischen Schriftzeichen sind eigentliche Kunstwerke. Nur auf die Einladung zu einer Lesung in China oder Südkorea warte ich immer noch. (2016)

Die Kunst des Weglassens
Schreiben heisst immer auch: Weglassen. Streichen. Reduzieren, um das Wesentliche hervorzuheben. So geht es mir auch mit dem neuen Manuskript. Etliche Kapitel sind schon fertig, doch es gibt noch Bruchstellen. Beheben kann ich sie nur, indem ich das Manus umbaue und auf ein paar Kapitel verzichte. Das fällt mir zwar schwer, tut dem Buch aber gut. Spätestens dann, wenn sich in Teil in den andern fügt, weiss ich: Es war richtig so. Und zum Trost des Schreiberlings: Es hat noch nie jemand einen Text vermisst, den ich zwar geschrieben, aber nicht veröffentlicht habe... (2015)

Von Chiang Rai nach Wölflinswil
Bücher reisen wie die Menschen auch. Auf der Suche nach Lesestoff hat ein Schweizer in der thailändischen Stadt Chiang Rai zufällig mein "Sternenstaub"-Buch entdeckt. Nach der Lektüre hat er es aus der Ferne per E-Mail einem guten Freund in der Schweiz ans Herz gelegt. Dieser wohnt in Wölflinswil im Aargauer Jura - und hat mich dann zu einer Lesung eingeladen, zu einer "kosmischen Weltreise im Ochsen", wie die Lokalpresse schrieb. Wie klein die grosse Welt manchmal sein kann... Übrigens: In Thailand war ich noch nie - aber Wölflinswil und der Jurapark Aargau sind eine Reise wert!

Bücher und Emotionen
Es gibt sie noch, die kleinen Dorfbuchhandlungen! Kulturelle Oasen auf dem Land oder in der Agglo, die einladen zum Schmökern, zum Verweilen, zum Gespräch - und gelegentlich auch zu einer Lesung. In bester Erinnerung ist mir da mein Auftritt in der Buchhandlung bookemotions im Berner Vorort Belp . Ein grosses Lob an Eveline Bürki und ihr Team!  Nachtrag 2018: Bookemotions ist Vergangenheit. Die Buchhandlung musste schliessen. Ein trauriger Verlust.

Schöner Zufall
Nach einer Lesung, beim Signieren, stellen sich H. und M. vor. Zwei muntere Frauen, die sich gut kennen. Sie erzählen mir eine wunderbare Geschichte:
→ H. hat B. zu Weihnachten mein Buch "Übrigens, das Leben ist schön" geschenkt. Genau das richtige für sie, hat sie gedacht.
← B. hat H. zu Weihnachten mein Buch "Übrigens, das Leben ist schön" geschenkt. Genau das richtige für sie, hat sie gedacht.
↔ Beide haben beim Auspacken eine schöne Überraschung erlebt.
Zu gerne wäre ich dabeigewesen!

Hang zum Klang

Schreiben ist Musik. Ich achte auf den Klang der Worte. Auf die Sprachmelodie. Und auf die Komposition. Deshalb ist die Stille beim Schreiben wichtig. Oder die richtige  Musik. Wie zum Beispiel "Hang&Xang" von Bruno Bieri. Wie gut seine Klänge und meine Texte sich ergänzen, habe ich bei zwei gemeinsamen Auftritten erlebt: Aus Wort wird Musik wird Wort wird Musik wird Wort wird Musik.

Ein Buch für Frau Steiner
Meine Bücher schreibe ich zunächst für mich. Interessanterweise haben Leserinnen und Leser ab und zu das Gefühl, ein Buch sei exakt für sie und nur für sie geschrieben worden. Mich freut das. So schreibt mir eine Frau Steiner aus Zürich zum Sternenstaub-Buch: "Ein wunderbares Buch: Sie haben es ganz allein für mich geschrieben." Ich habe ihr geantwortet: Ja, so ist es!

Ein Lob für Tinu
Höchste Zeit, ihm endlich ein Kränzchen zu winden, meinem Webmaster, Martin Baud. Er ist ein Künstler. Sein Atelier beschränkt sich auf die Ecke eines grossen Kellers, der vor allem von Handwerkern benutzt wird. Da sitzt er an einem Holztisch, raucht ab und zu eine Zigarette und entwirft die schönsten Webseiten. Ganz ohne Schnickschnack, aber mit viel Phantasie und einem guten Auge für das Wesentliche. Tinu, wie er in Bern heisst, macht auch Stadtführungen, erzählt Märchen, sammelt Witze, glaubt an Gespenster, organisiert Spielfeste, ist überhaupt ein origineller Typ und ein Lebenskünstler noch dazu. Sie finden ihn unter www.homepagefabrik.ch


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