Mystik an der Leine des

Alltäglichen




Wer hat dir den Weg gezeigt? Ein Hund!

Taschenbuch, 192 Seiten
Verlag HERDER, Band 6197
ISBN 978-3-451-06197-4
€[D] 9.95/ sFr 15.00
Übersetzungen: Brasilien, Südkorea


Aus dem Vorwort:

Alltäglich ist die auf dem Umschlag abgebildete Leine nicht. Dafür ist ihre Lage viel zu schön. Die Socken scheinen es zu geniessen. Sie baumeln fröhlich im Wind. Eine solche Aussicht ist ihnen selten vergönnt. Meist müssen sie ganz unten bleiben, eingesperrt in ein Paar Schuhe.

Das Bild verbindet etwas so Gewöhnliches wie frisch gewaschene Socken mit einem Hintergrund, der Freiheit, Weite und Offenheit verspricht. Ein leichter Wind geht, die Sonne schickt ihr mildes Licht über die karge Wiese und den tiefblauen See, in der Ferne ziehen Wolken auf.

Denken wir uns die Leine mit den Socken weg, wäre das Bild eine schöne, aber etwas langweilige Idylle. Blenden wir den Hintergrund aus, wäre es noch langweiliger, bloss eine Wäscheleine. Offensichtlich gehört beides zusammen. Vordergrund und Hintergrund sind aufeinander bezogen und machen zusammen die stille Kraft des Bildes aus.

Um diesen Zusammenhang geht es. Eine alltagsbezogene Mystik beginnt beim Naheliegenden und führt zu dem, was dahinter verborgen sein könnte. Sie verbindet die kleinen Dinge des Alltags mit den grossen Dimensionen des Seins. Die abgetragenen Socken mit der Weite des Himmels.

Was aber ist eigentlich Mystik? Ein Zen-Meister würde die Frage vielleicht so beantworten: „Mystik? Geh hinaus und häng’ die frisch gewaschenen Socken an die Leine!“
Ein grosser Irrtum besteht darin, das Mystische immer irgendwo weit weg zu vermuten, an entfernten Orten und in andern Zeiten. Wer so sucht, wird nie etwas finden. In Wirklichkeit ist es gerade umgekehrt: Das Geheimnis (lateinisch: Mysterium), um das es geht, ist hier und jetzt zu entdecken. An diesem Ort. In diesem Moment. Es muss gar nicht gesucht werden. Es ist bereits da.

Der mystische Weg führt nicht aus der Welt hinaus. Er führt mitten in sie hinein. Deshalb haben auch so gewöhnliche Tätigkeiten wie das Waschen der Socken ihre Bedeutung. Eine Mystik an der Leine des Alltäglichen verspricht keine aussergewöhnlichen Erlebnisse – sie ermöglicht vielmehr eine aufregend neue Sicht auf das ganz Gewöhnliche. Wer hat dir den Weg gezeigt? Ein Hund!

Die Leine hat übrigens einen Bedeutungswechsel erfahren: Bei der Originalausgabe dieses Buches war es eine Hundeleine, passend zum ursprünglichen Titel „Wer hat dir den Weg gezeigt? Ein Hund!“. Offensichtlich ein etwas missverständlicher Titel: Das Buch landete gelegentlich in den Regalen mit den Tierbüchern. Mit der neuen Aufmachung findet es jetzt hoffentlich auch den Weg zu jenen Leserinnen und Lesern, welche sich vom Hund auf dem alten Umschlagsbild abschrecken liessen (obwohl es in diesem Fall ein ganz freundlichs Tier war…).

Als Taschenbuch findet es, wie sein Name sagt, in jeder Tasche Platz. Es kann überall hin mitgenommen und fast überall gelesen werden. So wird es zu einem stillen Begleiter durch die vielfältigen Landschaften des Alltags. Und zeigt Ihnen diese Landschaften in einem überraschend neuen Licht.


Pressestimmen

„Dieses Buch handelt von der Mystik, was ehrwürdig und schwierig klingt. Lorenz Marti freilich geht in sie spielend hinein, im wörtlichen und übertragenen Sinn. Er erzählt von Fußgängen und lässt auch die Gedanken schreitend schweifen. Der Autor weiß viel und lässt bedeutende Größen wie Meister Eckhart, Laotse, Robert Walser, Kierkegaard oder Schopenhauer sprechen, nur riecht das nicht wie in wissenschaftlichen Bibliotheken: weltfremd, trocken, staubig. Stattdessen wird ein Philosoph wie Heidegger in zehn Zeilen verständlich gemacht, das muss man erst mal können. Lorenz Marti kann noch sehr viel mehr: Er sagt nämlich - ich. Endlich ein religiöser Autor, der erkennbar ist. Kurzum: Ein Charakterkopf, der seine Zeit nicht damit verbringt, Ecken und Kanten abzuschmirgeln. Mit diesem Autor geht man gern spazieren, weil er an keiner Stelle behauptet, perfekt zu sein. Dieser unperfekte Autor hat ein wunderbares Buch verfasst.“
Georg Magirius bei amazon.de

 

„Lorenz Marti durchstreift die Welt auf siebzig Spaziergängen und zeigt, dass gerade in alltäglichen Dingen Verborgenes schlummert. ‚Die Wahrheit geht zu Fuss’ lautet eine wichtige Lebenserkenntnis, die im Buch in anregenden Texten - oft mit einem leichten Augenzwinkern geschrieben - ihren Niederschlag findet… Es ist wohltuend, wie sich beim Lesen der Texte von Lorenz Marti so vieles zu relativieren beginnt, wenn man die Dinge einmal aus einer anderen Perspektive betrachtet.“
Benno Bühlmann in Neue Luzerner Zeitung

 

„Die Lektüre ist so nützlich, weil Marti sich keine Sekunde mit den Spekulationen aufhält, wie sie in der Szene mit Spiritualität und Erleuchtung verbunden werden. Vielmehr bringt er die Spiritualität dorthin, wo sie hingehört - in den gelebten Alltag, in die gewöhnlichen Dinge. Er erzählt warmherzig, unprätentiös… Beide Bücher ernüchtern auf eine herzliche Weise und ermuntern zu jener entspannten Achtsamkeit im Alltäglichen, die zu einem Schlüssel für die Seinserfahrung werden kann.“
Burkhardt Kiegeland in Eins Und Sein

 

„Wenn bei ihm ein Bekenntnis entscheidend wichtig ist, dann wohl dies: Der Mann ist ein bekennend leidenschaftlicher Spaziergänger. Beim Spazieren werde ihm am besten bewusst, dass alles, was er mit seinen Sinnen wahrnehme, etwas Geheimnisvolles in sich trage, schreibt der Berner Radio-Journalist, Kolumnist und Buchautor Lorenz Marti. Gerade die Leichtigkeit der Bewegung beim Spazieren erlaube es, ernste Fragen spielerisch anzugehen, löse Verkrampfungen und eröffne neue Perspektiven, mutmasst der Autor... Lächelnd und mit einem Plädoyer für den freundlichen Blick auch in einer unfreundlichen Welt beendet Marti sein leichtfüssiges und unprätentiöses Buch. Ein Kleinod.“
Josef Bossart in KIPA Katholische Internationale Presseagentur